Angekommen!? Und jetzt?

Wir, die Schüler der Berufsfachschule Nahrung und Gastronomie sowie Technik (BFN/T17 und 18) vom RBZ1 und die Schülerinnen und Schüler des Schulischen Orientierungsjahres (SOJ18 C und D) führen in der Zeit vom 05.11.18 - 09.11.18 eine Projektwoche in der Hansastrasse 48 durch. Wir möchten Sie ganz herzlich zu der Präsentation unserer Ergebnisse einladen! "Angekommen!? Und jetzt?"

 

Unsere Veranstaltung mit Theaterstück und Filmvorführung beginnt am 09.11.18 um 13:15 Uhr in der Aula der Aussenstelle des RBZ1 Adolf - Reichwein - Schule in Dietrichsdorf, Tiefe Allee 32, Kiel. Wir würden uns sehr freuen, Sie zu der Veranstaltung begrüßen zu können!

Die Schülerinnen und Schüler in dem Einzugsgebiet des RBZ1 und insbesondere in dem Schulangebot der Berufsfachschule (vom ESA zum MSA mit beruflicher Orientierung) rekrutieren sich überwiegend aus schwierigen persönlichen sowie sozialen Verhältnissen. Dieser Umstand gibt Anlass zu ganz persönlicher Beratung und individuellen Lösungsstrategien, um so einen schulischen Erfolg zu ermöglichen. Die Migranten haben in ihren jungen Lebensjahren überwiegend bereits eine Vielzahl von schrecklichen Erfahrungen gemacht oder sind traumatisiert von Erlebnissen und Beobachtungen. Sie sind unbegleitet nach Deutschland gekommen oder zusammen mit ihrer Familie geflohen. Hier angekommen sind Kultur und Sprache, eigentlich alle Lebensumstände fremd. Das Projekt möchte einen Beitrag leisten, das Spannungsfeld zwischen Erwartungen und tatsächlichen Möglichkeiten (z.B. in der Berufswahl) abzubauen. Dabei steht der Kennenlernprozess über einem gemeinsamen Arbeitsthema im Vordergrund.

Durch die projektübergreifende Motivation einen Film sowie ein Theaterstück zu entwickeln und umzusetzen ergibt sich der Ausbau elementarer, vielfältiger Kompetenzen. Die neu erworbenen sprachlichen Kompetenzen werden angewendet und ausbaut. Für Flüchtlinge ergeben sich Kontakte zur soziokulturellen und sprachlichen Integration sowie berufliche Orientierung und Perspektive wohlmöglich zur Ausbildungsplatzwahl. Für die SchülerInnen bekommen Migranten Gesichter. Vorbehalte und Vorurteile werden durch praktische, gemeinsame Tätigkeit und gemeinsame Interessen abgebaut. Alle Teilnehmer erleben die Begegnung u.a. durch Identifikation und Selbstwirksamkeit als Bereicherung. Die Aufführung und Präsentation in der Aula der Schule bietet Gelegenheit, Bewohner und Institutionen in Kiel insbesondere in dem Stadtteil Dietrichsdorf anzusprechen und einzuladen. Ebenso werden Eltern, Freunde und Betreuer eingeladen. Die Begegnung wird genutzt, um den Bekanntheitsgrad der angebotenen Bildungsgänge sowie die Kenntnisse über das Profil der Schule zu steigern und über die Darstellung unserer Aktivitäten die Beziehungen miteinander zu vertiefen.

Darüber hinaus wird deutlich, dass die Schule nicht isoliert agiert, sondern über hervorragende Kooperationspartner verfügt, die gemeinsam und verlässlich Projekte zum Erfolg führen. Das Projekt wird u.a. durch das Jugendamt der Stadt Kiel finanziert. Die SchülerInnen (ca. 60 Teilnehmer) finden bei der Aufgabenstellung, ein Theaterstück sowie einen Film zu konzipieren und zu produzieren, integrativ zueinander und knüpfen darüber hinausgehende Kontakte insbesondere zur kulturellen und beruflichen Orientierung. Die überwiegend jugendlichen Schülerinnen und Schüler erhalten Motivation, sich mit der Berufs- und Ausbildungsplatzwahl sowie der Bewerbungssituation auseinander zu setzen. Neid und Missgunst sowie schulischem Unfrieden wird durch Begegnung und Kennenlernen vorgebeugt. Die gemeinsame Arbeit sowie die Erkenntnis, dass alle Jugendlichen mehr oder weniger die gleichen Ziele verfolgen, stärken den Zusammenhalt.

Der Erfolg des Projektes macht sich an den guten und zielgerichteten Lernergebnissen infolge der beruflichen Orientierung und damit verbundenen hohen Quote der Absolventen des Bildungsganges sowie der anschließenden Ausbildungsplatzvermittlung fest. Ebenso misst sich der kurzfristige Erfolg an dem öffentlichen Interesse/ der Berichterstattung, das/die die Präsentation der „Ergebnisse“ verursacht. Die Jugendlichen erleben die Schule als erfolgversprechenden Lern- und Lebensort, der von der Bevölkerung wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Ähnliche Projekte haben wir (als Kooperationspartner) bereits in den Vorjahren (2015, 2016, 2017) erfolgreich durchgeführt. Es ist immer als Begegnungsprojekt konzipiert, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten versehen. Die Genese der Projektschwerpunkte erstreckt sich im Laufe der Jahre über das Ankommen „Ich heisse Hamid und wie heisst du?“ hin zu den Erwartungen der Teilnehmer „Ich möchte in einem Land leben, das…“. Der jeweilige Schwerpunkt thematisiert dabei die aktuelle politische Diskussion und Nachrichtensituation und bietet den Teilnehmern den Raum die individuelle Herkunft und persönliche Erfahrungen einzubringen. Das Projekt wurde mit dem Willi Piecyk Preis 2015 „Engagement für Europa“ in Neumünster ausgezeichnet.

Das dazughörige Video kann man sich hier anschauen: vimeo.com/300056616

 

Henning Schurwanz (Projektleitung)

Zurück